Kommt eine Schlüsseltechnologie zurück?

Wenn das mal keine gute Nachricht ist, zumindest ist es keine schlechte: Die Traditionsfirma Bosch – nein, sie wird weder von britischen Heuschrecken noch von chinesischen Investoren übernommen – will eine neue Chipfabrik in Dresden bauen. „Uns ist es wichtig, dass wir die Schlüsseltechnik in eigenen Händeln haben und nicht von Zulieferern abhängig sind“, sagt Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel. Hast du was – bist du was, eine alte Erkenntnis von der man schon glaubte, sie sei verloren gegangen. Dass die zitierten eigenen Hände ausgerechnet nach Dresden gehen, hat etwas mit dem Bundeswirtschaftsminister zu tun, dessen Hände Fördermittel gerne ins dortige „Silicon Saxony“ leiten. Die chiphungrige Mikrosystemtechnik ist bereits heute eine boomende Querschnitttechnologie mit vielfältigen Anwendungen von Wissenschaft und Medizin bis zur digitalisierten industriellen Fertigungstechnik. Der wichtigste Zukunftsmarkt wird aber die Automobilindustrie sein. Dort kann es nicht mehr lange so bleiben wie es ist, zu laut knallten die Schüsse von Tesla, Google und anderen in die Vorstandsetagen und illustrierten, dass gegenwärtige Wertschöpfungsmodelle keine Naturkonstanten sind. Egal ob Verbrenner oder Elektroantrieb, für die vielfältigen Assistenzsysteme bis hin zur Vision des autonomen Fahrens wird Elektronik gebraucht, Sensoren, Kommunikations- und Navigationsmodule, die ganze Palette also, gerne auch mit dem Zusatz 4.0. Im Gegensatz zur Luftfahrt, die diese Entwicklung längst durchlaufen hat, müssen die Module vor allem eines sein: billig, pardon, kostengünstig.  Möglichst große Wafer in der Fertigung mit möglichst vielen Elementen  ist wohl der Königsweg dahin. Die vielen Sensoren werden sich vernetzen, mit Ampeln, Staumeldern und Verkehrszentralen kommunizieren, durch Nebel und um die Ecke sehen können und sie werden mit ihrer geballten Schwarmintelligenz die Verkehrsflüsse erhöhen, Unfälle vermeiden und überhaupt unser Leben erleichtern. So die Protagonisten, deren zahlreiche Wörterventilatoren uns die einschlägigen Schlagworte nur so um die Ohren blasen. Da ist ein bisschen kühle Zurückhaltung schon angebracht und es fällt einem vielleicht der Ausspruch eines Siemens Entwicklungsleiters ein, dass das wichtigste an einer Innovation sei, sie auch wieder ausschalten zu können. Aber im Ernst: Wenn es Sie interessiert, dass im Navigationssystem Ihres Smartphones ein Kreiselsystem eingebaut ist, das so funktioniert wie die Trägheitsnavigation beim Airbus, aber doch deutlich billiger ist, dann lesen Sie doch noch ein Stückchen weiter.

Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr

Dipl.-Ing. Fritz Münzel

Chefredakteur TiB

Foto: Silvia Stettmayer

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