Effizienz und Vielseitigkeit

Technologie für die Landwirtschaft – Gegenwart und Zukunft

Ein Beitrag von Dr. Benno Pichlmaier, Dr. Heribert Reiter, AGCO GmbH/Fendt, Marktoberdorf

Bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft hält der Trend zu größeren, schlagkräftigeren und wirtschaftlicheren Maschinen noch immer an, wobei diese immer mehr an die Grenzen vorhandener Infrastrukturen stoßen. So hat der Traktorenhersteller Fendt auf der einen Seite mit der Entwicklung des FENDT 1000 Vario ein neues Kapitel für Großtraktoren aufgeschlagen, auf der anderen Seite aber mit dem Forschungsprojekt MARS (Mobile Agricultural Robot Swarms) eine Art „Miniaturisierung“ der Landtechnik als Zukunftslösung präsentiert. Mehr dazu.

Über die Marke Fendt

Fendt ist innerhalb des AGCO Konzerns und auch innerhalb der Landtechnikbranche eine der führenden High-Tech-Marken. Seit Jahrzehnten wird die Marke als Pionier der Landtechnik wahrgenommen. Neben den Traktoren (von 50 bis 500 PS) bietet Fendt inzwischen die komplette Technik für die Futterernte an. In Bayern beschäftigt die AGCO GmbH/Fendt an den Standorten Marktoberdorf, Asbach-Bäumenheim und Feucht rund 4.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Fendt Vario 1050 – der leistungsstärkste Standardtraktor

Mit dem FENDT Vario 1050 hat Fendt als erster Hersteller einen Großtraktor im 500 PS Bereich als universellen Standardschlepper entwickelt. Bisher gab es in diesem Bereich nur Raupentraktoren, Knicklenker oder Systemtraktoren. Fendt hat diesen Traktor von Grund auf mit vollkommen neuen Komponenten dargestellt, wobei zwei Hauptziele im Vordergrund standen: Maximale Effizienz des Gesamtsystems und maximale Vielseitigkeit für eine weltweite Anwendung.

High-Tech und Vielseitigkeit für höchste Produktivität

Bei einem Leergewicht von nur 14.000 kg kann der Traktor bis zu 9.000 kg Last tragen, ermöglicht eine schmale Spurweite speziell für Nordamerika sowie eine großzügige Zwillingsbereifung für maximale Traktion. Die Maschine kann mit einer integrierten Reifendruckregelanlage ab Werk ausgerüstet werden, bietet ein automatisches Spurführungssystem mit 2 cm Genauigkeit, fährt bis zu 60 km/h schnell, erfüllt alle global unterschiedlichen Abgasnormen und kann über einen Telemetrie Gateway überall auf dem Globus einer Ferndiagnose unterzogen werden.

Darüber hinaus bietet der Traktor eine einzelradgefederte Vorderachse mit Wankstabilisierung und Niveauregelung, einen integrierten Frontkraftheber, eine leistungsstarke Hydraulikausstattung mit bis zu 430 l/min bei 200 bar Systemdruck sowie eine variable Lenkübersetzung und volle LED Technik für Fahr- und Arbeitsschweinwerfer.
 

Assistenzsysteme wie z. B. das automatische Motor-Getriebe Management TMS oder der GripAssistant für optimale Zugkraftübertragung ergänzen die umfassende Ausstattung. Als zentrales Informations- und Bediensystem dient ein 10,4 Zoll Touch-Display, über das auch die Einbindung des offenen Isobus Standards zur Kommunikation zwischen Anbaugerät und Traktor sowie ein elektronisches Task-Management integriert werden. Der 1050 Vario ist ein 500 PS Großtraktor mit der Vielseitigkeit einer 200 PS Maschine.

Neues Antriebskonzept und Systemdesign für maximale Effizienz

Zur Optimierung der Effizienz wurden alle Komponenten aufeinander abgestimmt. Das geht vom drückenden Motorlüfter, der als Hochleistungsgebläse bis zu 70 % effizienter arbeitet als herkömmliche Systeme über den modernen 12,4 l-Motor von MAN, der bei einer kraftstoffsparenden Nenndrehzahl von nur 1700 U/min bis zu 2400 Nm Drehmoment freisetzt, bis zum vollkommen neu entwickelten Fendt VarioDrive Getriebe. Dieses stufenlose Antriebssystem basiert auf dem Prinzip der Leistungsverzweigung, wobei der Vorderachsantrieb in den hydrostatischen Kreis integriert ist und somit eine hydraulische Längsdifferenzialwirkung erzielt wird.

Eine Allradkupplung wirkt hier als variable Längsdifferenzialsperre und kann durch entsprechende Regelung die Drehmomentaufteilung von Vorder- und Hinterachse optimal und dynamisch anpassen. Für den Fahrer stellt sich das wie ein permanenter Allradantrieb dar, alle Regelfunktionen laufen vollautomatisch ab. Bei höheren Fahrgeschwindigkeiten wird der Antrieb der Vorderachse für einen optimalen Wirkungsgrad abgeschaltet, und die Hydropumpe abgekoppelt.

Eine neue großzügige 46 Zoll Bereifung (Reifendurchmesser von 2,35 m) mit integrierter Reifendruckregelanlage sowie eine Hydraulikanlage mit zwei Kreisen für unterschiedliche Betriebsdrücke gehören ebenfalls zum Effizienzpaket.
Ein ansprechendes und mehrfach prämiertes Styling gibt diesem Großtraktor ein kompaktes, aber dennoch sehr emotionales und kraftvolles Auftreten.

MARS – Feldroboter für eine nachhaltige Landwirtschaft 4.0

Einen Blick in die Zukunft am anderen Ende der Leistungsskala wirft Fendt mit dem Forschungsprojekt MARS. Hier wird ein konkreter Ansatz einer kompakten Roboterplattform (50 x 50 cm, 50 kg) exemplarisch für die Aussaat von Mais entwickelt.

Jeder Roboter verfügt über eine eigene Saateinheit und wird batterieelektrisch angetrieben. Die Kommunikation mit einer Logistic Unit (Transport, Energie, Saatgut) und der überwachenden Systemintelligenz erfolgt via Cloud.

Planung der Aussaat, Live-Monitoring sowie Saatdaten-Verwaltung sind mit einem Smart Device (Tablet) von überall aus möglich.

Kleine Maschinen, große Potenziale

Das MARS-Konzept berücksichtigt eine ganze Reihe wirtschaftlicher, technischer und ökologischer Gesichtspunkte. Durch angepasste Saatmuster in Kombination mit einer exakten Dokumentation jeder Pflanze können Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel präzise, punktuell und somit sparsam ausgebracht werden.

Dabei brauchen die kleinen elektrischen Roboter für die Arbeit auf dem Feld erstaunlich wenig Energie: bei vergleichbarer Performance um bis zu 50 % weniger mit entsprechender Einsparung von CO2 und Betriebskosten. Emissionen und Verunreinigungen entstehen auf dem Feld keine, die Arbeit geht annähernd geräuschlos vonstatten. Ein Betrieb rund um die Uhr ist dadurch auch nahe Wohngebieten möglich.

Da die Roboter durch hochpräzise Satellitenortung (+/- 2 cm) navigieren und aufgrund ihres geringen Gewichts sowie der kleinen Antriebsleistung immanent sicher sind, kann auf komplexe Sensorik zur Umfelderkennung verzichtet werden.

Flexibel und skalierbar

Die kooperierenden Einzeleinheiten gewährleisten eine hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Tritt bei einem Roboter ein Fehler auf, kann ein anderer einspringen. Das Konzept kann sowohl auf kleinen Parzellen mit einem oder wenigen Robotern eingesetzt werden als auch auf Großflächen oder im überbetrieblichen Einsatz mit Flotten von 50 oder mehr Einheiten.