Frische Garnelen aus Oberbayern

Nachhaltige Aquakulturen für einen wachsenden Markt

Ein Beitrag von Simon Mendel, Crusta Nova GmbH Langenpreising

Die weltweite Überfischung gilt heute als eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Meere und das Überleben seiner Bewohner. Der Garnelen-Zucht kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: die Krebstiere zählen zu den begehrtesten Meerefrüchten, ihre Zucht hat allerdings beträchtliche negative Auswirkungen auf Umwelt und Ökosystem. Mit der landbasierenden Produktion in Indoor-Aquakulturanlage wird im folgenden Beitrag eine Form der Aquakultur vorgestellt, die den Fokus auf Nachhaltigkeit legt.

Umweltschäden durch die Garnelen-Industrie

Die globale Produktion an Fisch und Meeresfrüchten (Wildfang und Aquakultur) ist in den Jahren von 2006 bis 2015 um 24 Prozent gestiegen. Weltweit gelten 30 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt und 57 Prozent als maximal genutzt (Stand: Juli 2012). Eine weitere Bedrohung aller Fische und Krustentiere ist die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll.

Garnelen gehören aufgrund ihrer hohen Beliebtheit zu den begehrtesten und wirtschaftlich wichtigsten Meeresfrüchten. Sie werden hauptsächlich in Küstengebieten asiatischer und lateinamerikanischer Länder wie Thailand, Vietnam, Indonesien, Indien, den Philippinen, Ecuador, Bangladesch und Mexiko produziert. Die Garnelen-Industrie hat in vielen dieser Länder ökologische Verwüstungen angerichtet. Der weltweite Trend, gezüchtete Tiere einzuführen, hat sich in den vergangenen 15 Jahren deutlich verstärkt.

Auswirkungen der Garnelen-Aquakultur auf das Ökosystem

Ein wesentlicher potentieller Schaden der Garnelen-Aquakultur für die Umwelt ist die Zerstörung der Mangrovenwälder, die einen biologisch wichtigen Übergang zwischen dem ländlichen und dem marinen Ökosystem darstellen. Manche Autoren gehen davon aus, dass bis heute weltweit rund die Hälfte der tropischen Mangrovenwälder unwiederbringlich zerstört wurden. Konsequenz davon sind die seit Jahren schrumpfenden Bestände küstennaher Meeresfische.

Die importierten und als gefrostete Ware vermarkteten Garnelen kommen überwiegend aus großen Teichwirtschaften und werden unter kritikwürdigen Bedingungen aufgezogen. So treten in den Teichanlagen mit geringem Wasseraustausch, hohen Wassertemperaturen und dichtem Besatz häufig Krankheiten auf, die hohe Verluste verursachen. Zum Teil werden Antibiotika, Fungizide, Parasitizide, Algizide und Pestizide eingesetzt, um Krankheiten in Garnelen-Aquakulturen vorzubeugen. Häufig haben die verwendeten Antibiotika keine Zulassung in der EU.

Was ist Aquakultur?

Aquakultur ist die kontrollierte Aufzucht von Fischen, Muscheln, Krebsen, Garnelen, Algen und anderen im Wasser lebenden Organismen. Aquakultur findet sowohl im Süßwasser als auch im Salzwasser statt. Sie gewinnt wegen der akuten Überfischung der Weltmeere zunehmend an Bedeutung. Daher hat sie sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Alternative entwickelt, den weltweit steigenden Fischbedarf zu decken.

Jeder zweite auf der Welt verzehrte Fisch stammt inzwischen aus künstlicher Zucht. Ein unbegrenzter Ausbau der Produktionskapazitäten birgt allerdings ein hohes ökologisches Risiko und führt vielerorts zu Interessenkonflikten mit der regionalen Fischerei.

Vorteile einer landbasierenden Produktion

Die landbasierende Produktion von Fischen und Krustentieren findet dagegen in geschlossenen Kreislaufsystemen statt. In diesen wird das Wasser ständig aufbereitet, so dass ganzjährig optimale Lebensbedingungen für Fische oder Krustentiere gewährleistet sind.

Durch die Nähe vom Produktionsstandort zum Verbraucher gelangen die damit erzeugten Produkte in einer bisher unerreichten Frische zum Konsumenten. Die von der Umwelt entkoppelten Systeme sind optimal auf die Bedürfnisse der Fische oder Krustentiere eingestellt. Die ganzjährig konstanten Bedingungen erlauben eine standardisierte Produktqualität und eine lückenlose Versorgung der Märkte.

Modernste Kreislaufanlagen für Indoor-Aquakulturanlagen

Crusta Nova betreibt die größte Indoor-Garnelen-Aquakulturanlage in Europa für die Zucht von Pacific White Shrimp (Litopenaeus vannamei). Dabei kommen hochwertige Kreislaufanlagen mit ausschließlich deutscher Spitzentechnologie zum Einsatz. Diese RAS-Anlagen (Recirculating Aquaculture System) verfügen über eine integrierte Wasseraufbereitungseinheit, die kontinuierlich das Ablaufwasser aus den Zuchtbecken mechanisch und biologisch reinigt. Anschließend wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert und wieder den Zuchtbecken zugeführt.

Bei 29 Grad Wasser- und 30 Grad Lufttemperatur wachsen jährlich 30 Tonnen White Tiger Garnelen von der Postlarve (ein bestimmtes Entwicklungsstadium nach der Eiablage) bis zur Vermarktungsgröße.

Vorteile von Anlagen mit Recirculating Aquaculture System (RAS)

Durch die wiederholte Nutzung des Wassers verringert sich der Wasserbedarf auf den Ausgleich von Wasserverlusten beim Ausschleusen des Schlammwassers aus den mechanischen Reinigungsstufen und Verlusten durch Handling und Verdunstung. So kann der tägliche Wasserverbrauch der gesamten Anlage auf unter 4% des Gesamtvolumens der Anlage verringert werden.

Gegenüber offenen Systemen wie Durchflussanlagen, Teichen und Käfiganlagen bieten RAS Anlagen wesentliche Vorteile:

  • Geringerer Ressourcenverbrauch (Fläche, Wasser, Energie)
  • Abgeschlossenheit gegenüber der Umwelt und ihren potenziell negativen Einflüssen auf die Produktivität
  • Möglichkeit der Steuerung aller Parameter zur Optimierung der Wachstumsbedingungen
  • Saisonunabhängige kontinuierliche Produktion
  • Möglichkeiten der Zertifizierung nach „Traceability“ und „Biosecurity“ Standards
  • Marktnahe Produktion durch breiteres Standortspektrum

Ganzjährige Produktion in naturähnlichem Zuchtmilieu

Crusta Nova hat ein besonderes Know-How für die Zucht schlüsselfertiger, landbasierter und standortunabhängiger Aquakulturen für Salzwassergarnelen entwickelt und versteht sich in Zeiten globalisierter Lieferketten als Vorreiter einer zukunftsorientierten, nachhaltigen und transparenten Lebensmittelproduktion.

Durch die Trennung der Produktion in voneinander unabhängig operierende Module mit eigenen Kreisläufen ist eine ganzjährig konstante Produktion abgesichert. Rein mechanische und biologische Reinigungsprozesse ermöglichen den kompletten Verzicht auf chemische Reinigungsverfahren. Über die speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) ist eine optimale Kontrolle aller Zuchtprozesse gegeben.

Die Farm weist ein sehr gutes Zuchtmilieu ähnlich der unbelasteten Natur auf. Dies beinhaltet sauberes Salzwasser, optimale Sauerstoffversorgung, artgerechter Besatz und hochwertiges Futter. Der Zusatz von Medikamenten oder Hormonen, sowie Genmanipulationen oder ähnliche künstliche Eingriffe unterbleiben.

Über Crusta Nova

Crusta Nova wurde im Jahr 2012 gegründet. Aus der Idee einer Zucht von australischen Krebsen entstand das Projekt, im Landkreis Erding in der Nähe von München eine nachhaltige Farm für hochwertigste Salzwassergarnelen mit artgerechter und zusatzstofffreier Zucht aufzubauen.

Seit März 2016 erobert die bayerische Garnele als wahrscheinlich „frischste Garnele Deutschlands“ die besten Fischtheken, Feinkostläden und Spitzenrestaurants Deutschlands und Österreichs. Ihre Sashimi-Qualität überzeugt jeden Feinschmecker und ermöglicht sogar den Rohverzehr. Seit 2018 hat Crusta Nova sein Geschäftsfeld um weitere Seafood-Produkte von höchster Qualität und Nachhaltigkeit erweitert. Dazu zählt beispielsweise die seltene und exklusiv in Deutschland und Österreich angebotene Südseegarnele Obsiblue, die Tristan Languste und der Kaviar N25.

Crusta Nova wurde u. a. mit dem größten deutschen Preis für Food-Start-Ups „Food Invention 2017“, dem „Regional Star 2017“ und dem „Bayerischen Gründerpreis 2017“ ausgezeichnet.